Wenn das Kind plötzlich zum Papa ziehen will
Corinna ist zehn Jahre alt und lebt mal bei der Mama, mal beim Papa seit sich die Eltern getrennt haben. Zofft sie sich mit der Mama, zieht sie zum Papa. Nervt dort das neue Baby, geht sie wieder zur Mama. Die Eltern sind liberal und ermöglichen Corinna ihren freien Willen. Doch so lernt das Mädchen nicht, familiäre Konflikte zu bearbeiten, sondern flüchtet vor ihnen.
Psychologische Hintergründe des kindlichen Wunsches
Wenn das Kind auf einmal von der Singlemama weg zum Papa möchte, fragt sich die Mutter unweigerlich, was diesen Wunsch ausgelöst hat. War es der letzte Streit beim Mittagessen? Macht der Vater Versprechungen? Oder hat das Kind Probleme, von denen ich nichts weiß? Die Mutter empfindet den Auszug oft als Liebesentzug des Kindes.
Entweder entwickelt sich der Wunsch des Kindes, zum Vater zu ziehen, allmählich, oder es ist ein spontaner Entschluss, der am besten gleich heute in die Tat umgesetzt werden soll. Geht den Umzugsplänen ein längerer Prozess voraus, so hat die Mutter Gelegenheiten, die auftauchende Unzufriedenheit des Kindes mit der momentanen Situation zu besprechen und gemeinsam zu bearbeiten. Äußert das Kind spontan den Willen, sofort zum Vater zu wollen, so bleibt herauszufinden, ob es eine Trotzreaktion des Kindes ist. Hier legen sich in der Regel die Auszugspläne wieder, wenn man vernünftig über die zugrunde liegenden Probleme spricht.
Mögliche Ursachen des verstärkten Wunsches nach dem Vater
Vielleicht möchte das Kind einfach mehr Zeit mit dem Vater verbringen und nicht nur bei den Wochenendbesuchen Gast sein, sondern als Teil des väterlichen Alltagslebens wahrgenommen werden. Falls der Vater bereits eine neue Familie hat, ist möglicherweise der Wunsch des Kindes nach einem gemeinsamen Familienleben aufgekeimt und es möchte mit seinen Halbgeschwistern groß werden.
Lösungsversuche für Eltern
Wenn sich die Idee des Kindes als inniges Verlangen herausstellt, sollten die Eltern gemeinsam besprechen, ob sich ein Umzug realisieren lässt. Das kann schwierig sein, wenn ein Schulwechsel erforderlich wird und die Betreuung muss auch geregelt werden. Das Kind sollte sich immer gewiss sein, seine Entscheidung ohne Vorhaltungen seitens der Eltern rückgängig machen zu können. Eventuell hilft es dem Kind auch schon, mehr Zeit mit dem Vater zu verbringen. Väter sollten ihrem Kind stets Gefühl geben, kein Besucher in der neuen Familie zu sein. Sie haben dort ihren eigenen Platz – egal, wo der Hauptwohnsitz des Kindes ist.
Der Papa hat mehr zu bieten
Ich erlebe oft, wie alleinerziehende Mütter befürchten, das Kind wolle lieber beim Vater leben, weil der ein größeres Haus hat, viel Geld verdient, dem Kind mehr bieten kann und in der Erziehung wesentlich lockerer ist. Doch meistens sind diese Befürchtungen unberechtigt, denn Kinder messen materiellen Dingen weniger Bedeutung bei. Sie wollen da leben, wo sie sich wohl fühlen, wo sie einen festen Rahmen haben und sie brauchen beide Eltern, die ihnen Halt und Liebe geben.
Bedenken Sie, dass das Kind mit Ihrer Trennung nicht umgehen kann und deswegen zum Vater möchte.
Foto: S. Felder / pixelio.de
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Veröffentlicht: 12. Januar 2012
