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Trennungskind

Heute möchte ich Euch die Geschichte von Toby und seinen Eltern erzählen. Toby ist ein süßer, blonder und aufgeweckter Junge, 5 Jahre alt. Er war ein Wunschkind, doch seine Eltern sind seit anderthalb Jahren getrennt.

Neulich fragte Toby seinen Vater: „Papa, warum bin ich mehr bei Mama als bei dir?“
Papas Antwort: „Na bei Mama wohnst du fest und zu mir kommst du zu Besuch.“
Toby: „Aber ich hab dich doch viel lieber als Mama?!“

Ob Toby seinen Papa (Ralf, 34 Jahre) tatsächlich lieber hat, oder ob es nur ein Mittel war, um mehr Zeit mit ihm verbringen zu können, sei dahin gestellt. Fakt ist, unendlich viele Kinder leben in der gleichen Situation, die Eltern sind getrennt und ob nun gerade bei Mama oder Papa, der andere Elternteil wird schrecklich vermisst. In den meisten Fällen wünschen sich die Kinder, dass die Eltern wieder zusammen kommen.

Papa Ralf wohnt nun ein paar Straßen weiter, wo Toby ebenso ein Kinderzimmer hat. Seine Mama hatte ihm die Trennung so erklärt: „es kribbelt nicht mehr im Bauch“. Eine Erklärung, mit der Toby wohl kaum etwas anfangen konnte.

Die Wahrheit ist, dass es sehr wohl in ihrem Bauch kribbelte, bloß dass das Kribbeln durch einen anderen Mann ausgelöst wurde. Mit diesem verheirateten Mann bahnte sich eine Affäre an. Als Ralf dies zum 8-jährigen Jubiläum bemerkte, bekam er, trotz genauerem Nachfragen zum abendlichen Verbleib der Partnerin, die Wahrheit nicht gesagt. Erst als er sein Wissen über die Liaison bekannte, bekam Ralf alles auf den Tisch gepackt; und zwar alles, was sie störte und was er falsch gemacht hatte… und dass eben Schluss sei.

Ralf war zutiefst verletzt, auch wenn er selbst schon lange nicht mehr glücklich war und im Bett schon ewig Funkstille herrschte. Dennoch versuchte er die Beziehung zu retten, daran zu arbeiten, aber es hatte keinen Zweck. Die Mutter seines Kindes hatte Besseres zu tun, nämlich diesen neuen Mann zu treffen.

Schweren Herzens hatte sich Ralf das ganze Spektakel angesehen und nach anfänglichem Kampfwillen – schon des Kindes wegen -  eingesehen, dass er mit dieser Frau eigentlich gar nicht mehr zusammen sein will. Vor allem das Leugnen der Affäre – eiskalt, ohne ein Wimperzucken – war für Ihn ein unverzeihbarer Fakt.

Als seine Ex ihrem Liebhaber eröffnete, dass sie quasi den ersten Schritt gemacht hat und sich von Ralf getrennt hat, bekam es der Ehebetrüger mit der Angst zu tun und entschied sich ganz klar für seine Frau und Familie. Und Ralf, der sein Leben neu plante, durfte sich nun vorwerfen lassen, dass er nicht richtig um sie gekämpft hätte.

Auch staunte Ralf nicht schlecht, als er seinen Sohn zu einem Kindergarten-Freund sagen hörte: „Meine Eltern trennen sich auch.“ Der Freund, dessen Eltern geschieden sind, antwortete: „Meine Eltern haben sich immer gestritten.“ Darauf Toby: „Nein, meine haben sich nicht gestritten.“

Und in diesem Satz lag das ganze Beziehungsproblem seiner Eltern: Sie haben sich nicht streiten können, weil keine wirkliche Kommunikation stattgefunden hat. Was gestört hat am anderen, wurde nicht angesprochen und konnte somit auch nicht geändert werden. Wer Probleme und Störfaktoren über Jahre in sich hinein frisst, um sie eines Tages allesamt auf den Tisch zu spucken, der hat am anderen vorbei gelebt, sich selbst betrogen, um die Möglichkeit einer wirklich harmonischen Beziehung. Denn Harmonie bedeutet nicht, sich nicht zu streiten. Harmonie entsteht durch Kommunikation, durch das Balancieren von Wünschen und Vorstellungen und dem Willen, an sich selbst und der Beziehung zu arbeiten. Dabei kann ein Streit der Erneuerung der Liebe dienen.



verliebt-verlobt-alleinerziehend?

Am Samstag war ich seit langem mal wieder aus. Anlass war der Geburtstag  von Frederik, der seinen 36. in einer Bar feierte. Frederik ist ein alter Freund  von mir und ein seltenes Exemplar von Mann, da er alleinerziehend ist.  Er lebt mit seinem  8-jährigen Sohn zusammen und seinen zweiten Sohn, der bei der Mutter lebt, sieht er jedes zweite Wochenende.

Ich war gespannt, Frederiks neue Freundin kennenzulernen, nachdem seine letzte Beziehung so unschön am Thema Kinder zerbrochen war. Von vorn herein hatte diese Ex-Freundin nämlich Schwierigkeiten, sich auf die Situation einzulassen und zu akzeptieren, dass  sie nur jedes zweite Wochenende ganz für sich als Paar hätten und die restliche Zeit Patchwork-Familie angesagt war.

Hinzu kamen nervende Anrufe von Frederiks Ex-Frau, doch was der Beziehung wirklich den Rest gab, war der Fakt, dass Frederik keine weiteren Kinder wollte, sie jedoch deutlich ihre biologische Uhr ticken hörte. Da haben es die Wochenend-Papas schon einfacher, sie nehmen ihre Kinder meist jedes zweite Wochenende und in der übrigen Zeit können sie machen was sie wollen.  Aber ob diese dann unbedingt weitere Kinder wollen, ist auch fraglich.

Ich wäre auch nicht unbedingt begeistert, einen Mann mit Kind zu treffen, immerhin spielt die Mutter des Kindes immer eine Rolle, selbst wenn der Mann überhaupt nichts mehr von ihr wissen wollte, müsste er alle Absprachen bezüglich des Kindes mit ihr halten.

Frederik hatte die Mutter des besten Freundes seines Sohnes eingeladen. Sie ist nahezu 40 Jahre alt und hat sich gerade, nach 10 Jahren, von ihrem Mann getrennt. Auch sie darf sich nun zu den getrennt Lebenden sowie zu den Alleinerziehenden zählen. Wobei mir auffällt, dass das Wort alleinerziehend wie eine böse Krankheit klingt und zudem völlig unpassend ist. Es würde ja bedeuten, dass der jeweilige Ex-Partner, also die Mutter oder der Vater des Kindes nicht mehr existent ist. In den meisten Fällen jedoch, kümmern sich die Väter oder Mütter nach wie vor um ihre Kinder und erziehen sie somit auch.

Je älter ich werde, desto mehr heiraten meine Freunde und bekommen Kinder. Doch leider trennen sich manche auch wieder. Ich stelle es mir schon sehr hart vor, mit rund 40 Jahren noch oder wieder Single zu sein,  und dann auch noch mit Kind. Aber umso älter ein Single ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass er eine langjährige Beziehung hinter sich hat, verheiratet war und/oder Kinder hat. Wenn also jemand meint, mit Alleinerziehenden, getrennt Lebenden oder Geschiedenen stimme etwas nicht,  müsste man dem entgegensetzen, dass diese zumindest schon bewiesen haben, beziehungstauglich- oder willig zu sein. Da ist es schon viel naheliegender, dass mit jenen etwas nicht stimmt, die (ab einem bestimmten Alter) weder eine langjährige Beziehung noch Kinder vorzuweisen haben. ….sagt die Singlefrau, die noch keinen Mann zum Kinderkriegen gefunden hat ;-)