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Unerreichbare Männer

Ich habe meine alte Freundin Claudia wiedergetroffen. Claudia ist gerade 30 geworden, sehr hübsch anzusehen, intelligent und liebenswürdig. Seit mehr als 10 Jahren sind wir befreundet, doch in dieser gesamten Zeit habe ich nie einen festen Freund an ihrer Seite zu sehen bekommen.

Dennoch ist sie zu beneiden, denn sie scheint ständig unsterblich verliebt zu sein. Bei jedem Treffen hat sie von einem Schwarm zu erzählen, meist handelt es sich um unerreichbare Männer wie dem Tanzlehrer, der sich am Ende auch noch als schwul entpuppt, dem hübschen Spanier, der zurück in die Heimat muss, dem dicklichen Uni-Professor, der ihr Vater sein könnte, aber mit seiner Intelligenz beeindruckt… selbst vor liierten Männern mit Kindern macht sie nicht Halt. Diese Auserwählten haben immer eins gemeinsam- sie scheinen unerreichbar zu sein. Claudia kann sie wunderbar auf ein Podest stellen und von unten anhimmeln. Jede Bewegung, jedes Wort, wird dann genauestens analysiert und bewertet, und jeder Blick auf Flirtbereitschaft untersucht. Doch selbst ergreift sie keine Initiative und deshalb bleiben diese Männer auch auf dem Podest und für Claudia unerreichbar.

So hatte sie über ein halbes Jahr lang von einem Barkeeper geschwärmt, mit dem sie in ihrem Nebenjob zusammen arbeitete und der ihr die Arbeit zu versüßen schien. Immer wieder riet ich ihr, eindeutige Flirtsignale zu geben, doch sie unternahm einfach nichts. Und im entscheidenden Moment, als sie in der Stadt per Fahrrad auf ihn traf und er sie spontan zum Kaffee einlud, hatte sie keine Zeit für ihn, weil sie mit einer Freundin verabredet war.

Meine Güte, diese Freundin hätte sicherlich Verständnis gehabt, dafür, dass sich endlich was in ihrem Liebesleben tut. Ein zweites Mal hatte er sich nicht getraut zu fragen und sie machte auch keinen Vorschlag. Bald darauf wurde er von seiner neuen Freundin bei der Arbeit besucht. Claudia hatte natürlich schrecklichen Liebeskummer, doch sie lernte einfach nichts daraus. Die Stories wiederholen sich. Entweder sind die Männer von vorn herein unerreichbar oder, wenn sie erreichbar sein könnten, sorgt sie dafür, dass sie aus Reichweite geraten. Ehrlich gesagt, ich bin ratlos. Will diese Frau für immer und ewig allein bleiben oder ist es für sie wirklich so schwer, sich einem männlichen Wesen anzunähern?

Ich kann dazu nur sagen, darauf zu warten, dass der Mann den ersten Schritt macht, ist grundsätzlich falsch. Männer muss man dazu einladen, den ersten Schritt zu machen. Das kann ganz indirekt sein. Ins offene Messer laufen nur diejenigen, die es gewohnt sind, einen Korb zu bekommen – und diese Männer will Frau sicherlich nicht.

Und wenn sich der Mann der Begierde dann traut, sollte man die Chance auch nutzen und nicht vor lauter Angst und Aufregung in eine Schockstarre verfallen; das wird vom Mann höchstens als Desinteresse interpretiert.


Was Frau will

Manchmal verliebt man sich einfach in den Falschen. Aus irgendwelchen bizarren Gründen glaubt man, den Richtigen getroffen zu haben. Komisch, wie man vom Leben ausgetrickst wird.

Aber manchmal ist das Verliebtsein auch genau das Richtige für den Moment. Da ist jemand, den man haben will, jemand der Hoffnung und Verlangen weckt. Eine Triebfeder, die einen morgens gut gelaunt aufstehen lässt.

Doch dann weiß man plötzlich, dass er zwar cool und gutaussehend, aber dennoch der Falsche ist. Man stört sich auf einmal an seinen Tattoos und Klamotten und ist nicht gewillt, seine Kifferei und Feierei auf Dauer zu tolerieren. Man hat das Gefühl, er würde nie erwachsen werden und kann sich überhaupt nicht vorstellen, mit ihm mal Kinder zu haben.

Man begreift, warum man seine eigenen Gefühle ihm gegenüber nicht so zeigen konnte und besinnt sich darauf, was man eigentlich will… zum Beispiel einen bodenständigen, ordentlichen, organisierten Mann – mit Familiensinn. Ohne Flausen im Kopf, ohne ständiges Partybedürfnis. Jemand der weiß, was wichtig ist. Wird man ruhiger, wenn man älter wird? Ich ja, ich habe mich ausgetobt, ausprobiert… und nun kann ich auch langsam mal den richtigen Mann finden.


Heirate mich

Gestern habe ich meinen süßen fünfjährigen Neffen Paul vom Kindergarten abgeholt. Er zeigte mir stolz das Bild eines selbst gemalten Polizisten. Die Kinder sollten malen, was sie später einmal werden wollen. Ich überlegte kurz, ob ich mir Sorgen machen sollte, aber realisierte dann schnell, dass Pauls Wunsch wohl stark mit seiner neuen Lego-Polizeistation zusammen hängt. Kara, Pauls Kindergartenfreundin, kam herbei gesprungen und zeigte mir ihr Bild: ein Händchen haltendes Brautpaar.  „Das bin ich und das ist Paul“ sagte sie.

Ach ja, in diesem Alter scheint alles so einfach und ich erinnere mich, selbst als Kind eine Astronautin gemalt zu haben. Heute habe ich Angst vor jeglichem Fliegen.

Da fällt mir ein, dass Paul auch schon mal erzählte, heiraten zu wollen. Doch Kara war es nicht. Und mir wird klar, ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht.

Dennoch muss ich mich fragen, woher der frühe Wunsch nach Heirat kommt. Wird den Kindern der Traum vom Heiraten durch Barbie und Ken so früh suggeriert, leben es die Eltern vor oder verlieben wir uns tatsächlich schon im Kindesalter – ob nun bewusst oder unbewusst?

Ich kann mich noch erinnern, mit 10 Jahren in einen Jungen verliebt gewesen zu sein. Ich verfasste sogar Briefe an ihn, doch erfahren hat er es nie. Damals spielten sexuelle Wünsche natürlich noch keine Rolle. Ich wollte einfach nur mit ihm zusammen sein.

Wie simpel das klingt und doch ist es das, was die meisten wollen, einfach mit jemanden zusammen sein.  Bloß darf es natürlich nicht irgendjemand sein, sondern bitteschön Mrs. oder Mr. Right!